Ohne heiss, kein Schweiss
Gesellschaft — Die Saunas des ASVZ am Hönggerberg boten viele Jahre eine Oase der Entspannung. Mit deren definitiven Schliessung endet eine Ära – um dem Selbstoptimierungswahn zu weichen.
Zusammengerückt auf einer Holzbank, inmitten tropfender nackter Körper: Saunieren ist Kult. Ob Hamam in der Türkei, Banja in Russland oder Trockensauna in Finnland, die Sauna ist in zahlreichen Regionen ein fester Bestandteil der Kultur. Dort begnen sich Menschen ohne Kleidung, tragbare Statussymbole fallen weg. Die Professor*in sitzt nackt neben den Studis, die Hierarchien glätten sich. Man ist sich in der Sauna auf eine ungewöhnlich ehrliche Art sehr nahe. Wird Nacktheit sonst eher mit ungewollter Aufmerksamkeit anderer Menschen beantwortet, legen wir in der Sauna alle Hüllen ab und fühlen uns wohl und gar bestätigt beim «blüttle».
Während die warme Kammer schweizweit immer beliebter wird, müssen sich wellnessbegeisterte Studis nun von der Sauna im ASVZ Hönggerberg verabschieden. Ihr Pendant am Irchel wurde schon Ende 2024 stillgelegt. Dies aufgrund mangelnder Garderobenplätze für die neu in den Turnhallen des Sportzentrums eingezogene Kantonsschule Nord und zu hoher Investitionskosten für die Wiederinbetriebnahme nach einem Defekt.
Die Sauna ist historisch mit Sport verbunden. 1924 brachten die Finn*innen, der Überlieferung nach, ihre Schwitzbäder zu den Olympischen Spielen in Paris. Nach mehreren erfolgreichen Medaillengewinnen, wurden andere Athlet* innen auf die Saunapraktiken des finnischen Teams aufmerksam und integrierten diese in ihre Trainingsroutinen. Man versprach sich eine bessere Erholung und Muskelentspannung. Neben der sportlichen Regenerationshilfe soll das Wärmebad auch eine Erkältungsprophylaxe im Sinne der Stärkung des Immunsystems sein. Nicht nur sportliche Vorteile werden aber von Saunagänger* innen geschätzt, sondern auch Entspannung und Stressreduktion gehören zu den Gründen für einen Besuch.
Was für treue Saunaliebhaber*innen unverständlich ist, scheint für den ASVZ die natürliche Konsequenz: «Der ASVZ will die Sauna nicht abschaffen, weil er sie als nicht sinnvoll erachtet oder weil das Bedürfnis danach nicht nachvollziehbar wäre. Jedoch wird der Platzmangel und das Bedürfnis der hohen Anzahl an Membern nach mehr Fitnessfläche höher gewichtet», erkärt der Verband auf Anfrage. Während von 71'000 aktiven ASVZ-Mitgliedern letztes Jahr knapp 2400 den Sauna-Wellnessbereich nutzten, besuchten 51'000 den Bereich Fitness. So sind zu Stosszeiten oftmals Geräte dauerbesetzt und man muss für das Training Zeit fürs Warten einplanen.
Die Hochschulsport-Umfrage, die alle 5 Jahre durchgeführt wird, habe dazu in den letzten drei Umfragen den Wunsch nach mehr Fitnessfläche als erste Priorität gezeigt. Zudem hat der Wellnessbereich den Nachteil, dass er nur für einen Zweck genutzt werden kann. Der ASVZ betont, dass man weiterhin vielseitige Angebote im Bereich «Regeneration » habe, etwa die Relaxräume oder die Bodymind-Angebote. Doch selbst wenn sich Bedürfnisse am ASVZ verändern, bleiben Orte wie die Sauna etwas Besonderes. Dort, wo wir alle Hüllen fallen lassen, bleibt am Ende vielleicht mehr als nur der Schweiss zurück.