Im Rückenfit
Kultur — Das ASVZ bietet Studierenden eine breite Auswahl von Sportangeboten. Unsere Autorin berichtet von ihren Erfahrungen in einem Kurs, von dem viele wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben.
Der Schweiss läuft meinen Rücken hinunter. Verzweifelt klammere ich mich an meine Wasserflasche. Ich trinke einen Schluck, obwohl ich gar keinen Durst habe. Die Übung aber noch länger durchzuziehen, hätte ich auf gar keinen Fall geschafft. Ohne Grund einfach abzubrechen, wäre ja peinlich. So zogen die leidenden Stunden in vergangenen ASVZ-Kursen jeweils nur langsam an mir vorbei. Als jemand, der dreizehn Jahre lang in der Schule jede Turnstunde versuchte zu schwänzen oder wenigstens nicht aufzufallen, hatte ich mich aber bereits auf die Strapazen eingestellt. Dass man dabei auch Spass haben kann, habe ich erst jetzt gelernt.
Mein Körper hat mich mittlerweile eingeholt und meldet sich täglich mit Rückenschmerzen. Widerwillig klicke ich mich also erneut durch das Angebot des ASVZ und versuche abzuwägen, in welcher Sportart ich mich möglichst wenig blamiere. Die Sachen, von denen mir meine Freund*innen erzählen, fallen kategorisch raus. Mir wird für immer völlig unerklärlich sein, wie man um 7:00 Uhr morgens mit einem Training den Tag starten kann, das einem dann eine ganze Woche lang den schlimmsten Muskelkater aller Zeiten beschert. Zusätzlich soll ich mich auch noch selbst manipulieren, indem ich mir einrede, dass das Ganze gut für mich sei. Da stosse ich beim Scrollen auf das Angebot «Rückenfit». Davon hat mir noch nie jemand berichtet und auf dem Bild zur Beschreibung sind keine leidenden Studierenden oder Menschen mit aufgesetztem Lächeln zu sehen, sondern höchst konzentrierte Personen, die älter sind als der Durchschnitt an der Uni und ETH. Sofort identifiziere ich mich mit den Abgebildeten. Ich improvisiere ein paar Sportsachen zusammen und begebe mich zur Polyterrasse. Im kleinen Foyer vor der Halle läuft bereits «Night Fever» von den Bee Gees. Ich will den Teilnehmenden zeigen, dass ich eine von ihnen bin und fange an zu singen. Der Grossteil war schätzungsweise in meinem Alter, als der Song 1977 rauskam. Glücklicherweise kann ich den Text auswendig und höre nicht auf, als dann noch The Beatles gespielt wird. Endlich ein Sportangebot, wo Ed Sheeran nicht vorkommt.
So wohl habe ich mich selten gefühlt in einem Raum, wo ich Gewissheit hatte, gleich Sport machen zu müssen. Die wenigen Leute in meinem Alter grüssen sich so, wie sich Busfahrende gegenseitig grüssen. Wir starten mit einem Warm-Up, das schon ordentlich anstrengend ist. Ich merke, wie eingerostet mein Rücken ist und wie viel Mühe es ihn kostet, sich diesen neuen Bewegungen hinzugeben. Aber spätestens, als wir dann Übungen auf dem Gymnastikball machen, macht es sogar Spass. Eine Gruppe Menschen im Spiegel zu sehen, die auf und ab wippen und dann noch ein Teil davon zu sein ist nicht nur lustig, sondern hilft einem auch dabei, sich nicht so ernst zu nehmen. Der mutmasslich 70-jährige Thomas neben mir auf seinem Ball schafft zwanzig Liegestütze, während ich keine einzige schaffe. Die Leiterin kennt seinen Namen, wie die aller, die wohl immer da sind. Mein Ziel dieses Semester ist, dass sie auch meinen Namen kennt, als Beweis dafür, wie beständig ich die Lektionen besuchen werde. Und ich will eine Liegestütz können. Für mich scheint Rückenfit bereits nach einer Lektion die perfekte Auszeit vom Studium zu sein: Man sieht andere Gesichter, hört gute Musik, hat Spass und ein anstrengendes Workout.