Kein Blut, aber Schweiss und Tränen
Während eine Generation durch die Pubertät geht, schlägt sich eine andere Generation von Frauen durch einen zweiten hormonellen Umbruch: Die Menopause. Doch diese wird bis heute tabuisiert.
Um vier Uhr morgens wacht sie auf, schweissgebadet und erschöpft. Die Bettwäsche muss gewechselt werden, aber leise, sie will ja niemanden wecken. Noch einmal einschlafen? Keine Zeit. Bald muss sie ihre jugendliche Tochter wecken, Frühstück vorbereiten; der Tag hat für sie nun mal begonnen. So oder ähnlich geht es vielen Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden. Doch was steckt eigentlich hinter der Menopause?
Während der Wechseljahre durchläuft der weibliche Körper eine grundlegende hormonelle Umstellung. Die Produktion zentraler Geschlechtshormone wie Östrogen, Progesteron und Testosteron nimmt ab. Dieser Übergang findet meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr statt und markiert das Ende der reproduktiven Phase der Frau.
Auch wenn die monatliche Blutung wegfällt, bringt diese Lebensphase neue Beschwerden mit sich: Schlafstörungen, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen. Im Gespräch mit Frauen, die die Wechseljahre bereits hinter sich haben, berichten viele über solch typischen Symptome. Eine Betroffene beschreibt dieses Gefühl als ihren «persönlichen Sommer», da sie während dieser Zeit mehr schwitzte als im Hochsommer.
Auch über Gereiztheit, Libidoverlust und Brain Fog klagen Patientinnen häufig, berichtet Claudia Lange, Allgemeinärztin mit gynäkologischer Erfahrung. Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sei eine Möglichkeit, die Symptome zu lindern. Viele Frauen greifen zudem zu pflanzlichen Präparaten, auf hormonelle Behandlungen werde hingegen vielfach verzichtet.
Ein wesentlicher Grund für die vermehrte Ablehnung der Hormontherapie war die «Women’s Health Initiative»-Studie von 2002, die vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko durch Hormonersatztherapie warnte. Diese Studie wurde später zwar als fehlerhaft erklärt, doch bis heute hinterlässt sie eine gewisse Verunsicherung, die auch Lange bei ihren Patientinnen beobachtet. Doch sie warnt: Solche Risiken lassen sich nicht pauschal beurteilen, sondern müssen immer individuell eingeordnet werden.
Im Austausch mit verschiedenen Frauen kommen unterschiedliche Erfahrungen ans Licht. Eine der Frauen sprach von ihrer Angst, nach der Menopause unsichtbar und überflüssig zu werden. Dies zeigt ein gesellschaftliches Problem: Die Reproduktionsfähigkeit ist in traditionellen Geschlechtervorstellungen eng mit der gesellschaftlichen Frauenrolle verbunden. Weitere Frauen erzählen, sie hätten die Menopause «einfach akzeptiert»; als Teil ihres Lebens, ähnlich wie die Pubertät in der Jugend.
Trotz unterschiedlicher Erfahrungen waren sich aber alle in einem Punkt einig: Die wichtigste Unterstützung fanden sie im Austausch mit Freundinnen. «Ich hätte ein Fest feiern sollen für die Menopause», sagt eine der Frauen. Für sie bedeutete dieser Moment nicht nur Belastung, sondern vor allem Befreiung und die Möglichkeit, gesellschaftliche Erwartungen an Frauen zu hinterfragen. Auch wenn die Menopause für jede Frau etwas anderes bedeutet, lässt sich sagen: Dieses Thema verdient mehr Aufmerksamkeit, medizinisch wie auch gesellschaftlich.