Es dauert drei bis vier Monate nach der Operation, bis die Haare wieder zu wachsen beginnen. Foto: zVg

Einmal Haare mit allem

Wenn die schwindende Frisur die Selbstwahrnehmung negativ beeinflusst, wählen manche eine Schönheitsoperation. Sebastian* liess sich in Istanbul die Haare transplantieren. Ein Einblick.

25. März 2026

Sebastians* Kopfhaar wurde seit Mitte seiner Zwanziger zunehmend lichter. Trug er seine Mütze nicht, wurde er wieder mit seinem Selbstbild konfrontiert. «Besonders gestört hat es mich, wenn ich von anderen auf meine Haare angesprochen wurde», erzählt der 32-Jährige. Deshalb beschenkte er sich letzte Weihnachten mit ein paar Ferientagen und einer Haartransplantation in der Türkei, in der Hoffnung, seinen Selbstzweifeln ein endgültiges Ende zu setzen. Er informierte sich über Instagram, schaute Videos und las die Kommentare darunter. Aus vereinzelten Suchanfragen entwickelte sich schliesslich ein Algorithmus, der Sebastian in seiner Idee weiter bestärken sollte. 

Er entschied sich für die türkische Klinik Elithair, die auch auf deutsch für Transplantationen wirbt und mit vergleichsweise bescheidenen Kosten und einem All-Inclusive-Angebot mit Unterkunft, Taxidienst in die Klinik und Klinikaufenthalt die Kundschaft ins Land lockt. 2'900 Franken zahlte er für das Angebot. Gemeinsam mit neun weiteren Personen mit kahl geschorenen Köpfen wurde er vom Hotel in die Klinik gefahren. Manche unterhielten sich, andere wiederum, so wie Sebastian, hingen den eigenen Gedanken nach. In der 13-stöckigen Klinik waren sie bei weitem nicht die einzigen, denn dort würden täglich etwa 150 Haartransplantationen durchgeführt, schreibt Elithair auf ihrer Webseite. Der Takt war entsprechend vorgegeben: Die Kund*innen wurden sogleich in ihr Operationszimmerchen geschickt, um dort nach einer ausführlichen Besprechung behandelt zu werden. 

«Die Angst, dass das Ergebnis unnatürlich aussehen würde, war da», erzählt er. Wie etwa, dass der Haaransatz zu hoch oben scheint. «Doch der sollte beim Heben der Augenbrauen nicht mitkommen, wurde mir erklärt.» Da er selbst kein Türkisch sprach, stand ihm für die Besprechung ein Dolmetscher zur Seite. Einzig für die Unterzeichnung  des Vertrages fehlte dieser. Was genau er unterschrieben habe, könne er nur erahnen, da der Text auf Türkisch verfasst war. Die Vorfreude, die langsam an die Stelle der Nervosität rückte, liess ihn diese Vorgehens weise jedoch nicht hinterfragen. Unter Narkose wurde ihm die Kopfhaut betäubt. Als er wieder erwachte, hantierte bereits jemand an seinem Hinterkopf und entfernte Gewebe mit Haarwurzeln. 

Nach drei Stunden konnte er eine Kleinigkeit essen. Nur um wieder vier Stunden ruhig zu sitzen, während die rund 3'400 Spenderhaare vom Haaransatz ausgehend wieder eingepflanzt wurden. Zusätzlich wurde ihm zuvor isoliertes Blutplasma injiziert, das den Haarwuchs vorantreiben sollte. «Nach der Operation war ich unglaublich erschöpft», sagt er. «Aber auch zufrieden, weil ich mich freute, bald wieder Haare wachsen zu sehen.» Um die Schwellung in Schach zu halten und die Kochsalzlösung, die den Heilungsprozess anregt, vor dem Herunterrinnen zu hindern, bekam er ein Stirnband. 

Am Flughafen konnte er sich gut unter die Menge mischen, habe aber dennoch die Blicke anderer gespürt. Die Zeit zuhause ist von Pflege und Verzicht geprägt. Per App gibt er zudem Updates an die zuständigen Ärzt*innen durch, die den Heilungsprozess aus der Ferne mitverfolgen. Doch in den ersten Wochen folgt erstmal eine Ernüchterung, wenn die extra eingepflanzten Haare wieder ausfallen. «Shock-Loss» heisst es, wenn der Körper die Haare erstmal abstösst. Dieser gehört in den meisten Fällen zum Heilungsprozess dazu. Drei bis vier Monate nach dem Eingriff beginnen die Haare wieder zu wachsen. «Ich würde sie wieder machen», sagt Sebastian. Muss er auch, denn während der Transplantation konnte nur die Hälfte bearbeitet werden.

 

*Name von der Redaktion geändert.