Auf Berichterstattung folgt Demoaufruf

News — Das Kollektiv Orka Info verwischt die Grenzen zwischen Journalismus und Aktivismus. Auf Instagram und Tiktok setzen sie sich für Solidarität mit Unterdrückten ein.

Marc Grüter (Text) und Ismail Eskin (Foto)
27. Februar 2026

Orcas. Die Tiere, die im Mittelmeer organisiert gegen Yachten und Segelboote kämpfen, sind nun auch in der Schweizer Medienlandschaft unterwegs. Ein Zusammenschluss von rund zwanzig Aktivist*innen berichtet seit November vergangenen Jahres zu Ereignissen rund um Anti-Imperialismus, Feminismus, Anti- Repression und Polizeigewalt, Austerität sowie Ökologie. Die Mitglieder des Instagram-Kanals Orka Info verstehen sich als revolutionär. Auf dem Weg zu einer solidarischeren und post-kapitalistischen Gesellschaft haben sie die Kreation eines neuen Kommunikationskanals als entscheidend ausgemacht. 

Ein alternativer Ansatz 

«Das Medium sollte für alle da sein, die merken, dass irgendetwas am Status quo nicht stimmt, sei das beim Thema Ökologie, aber auch Rassismus oder Sexismus», stellt Cyrill Herrmann von Orka Info klar. Man wolle besonders Personen, die diese Wahrnehmung teilen, abholen und Missstände auf einer grösseren Ebene einordnen, schliesst Laura Fischer, ebenfalls von Orka Info, an. 

Auch wenn sich mittlerweile eine gewisse Fokussierung ergeben habe, sei man stets offen für Anstösse von Personen, die einen neuen Themenbereich eröffnen möchten oder sich an einem bereits bestehenden beteiligen wollen. Neben dem Instagram-Profil, auf dem ihre Videos mehrere 10’000-mal aufgerufen werden, sind sie auch auf TikTok und Telegram aktiv, sowie neu auch auf Spotify als Podcast zu finden. In den Videoformaten sieht man sie auf Demos, Streiks oder Kundgebungen, wo sie Hintergründe zu den Geschehnissen erläutern. Diese Videos mit sichtbarem Praxisbezug stehen bezeichnend für das eigene Verständnis ihrer Arbeit, die nicht reine Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsschaffung sein soll. 

Denn darüber hinaus sollen den Zuschauer*innen neben dem Gefühl von direkter Betroffenheit auch konkrete Handlungsmöglichkeiten vermittelt werden. Anders als es herkömmliche Medien tun, beteiligen sie sich auch an der Organisation von Demonstrationen und sammeln Spenden. Die nächste Aktion ist bereits in Planung, eine nationale Grossdemo gegen Austerität und Aufrüstung, die am 28. Februar in Zürich stattfinden wird. In einer Zeit, die vom Verschmelzen von Wirtschaft und Politik geprägt ist, vereint Orka Info Aktivismus und mediale Berichterstattung. 

Es gehe darum, die ganze Recherchearbeit und das Wissen, das bereits besteht, in ein massentaugliches und anknüpfungsfähiges Format zu übersetzen, sagt Cyrill. Die Schnittstelle zwischen Aktivismus und Journalismus bespielend, möchte Orka Info andere Möglichkeiten und Blickwinkel aufzeigen und einen Gegenpol zu den oft als alternativlos präsentierten Narrativen in bürgerlichen Medien bilden. Nebst der privat-bürgerlichen Medienlandschaft rund um Zeitungen wie der NZZ, ist den beiden vor allem die Vorstellung eines neutralen Journalismus ein Dorn im Auge. «Niemand kann aus der Vogelperspektive ganz wertneutral auf die Dinge hinunterschauen. Jede Journalistin, die behauptet, dass sie neutral ist, lügt», so Cyrill. Auch Laura steht der Idee eines objektiven Journalismus kritisch gegenüber: «Die Illusion einer neutralen Berichterstattung führt leider oft dazu, dass Aussagen und Geschehnisse nicht eingeordnet werden. In der Vergangenheit wurde beispielsweise ein Interview, das ich zum Protest gegen den ‹Marsch fürs Leben› gegeben hatte, zusammen mit Falschaussagen einer Abtreibungsgegnerin ausgestrahlt. Das ist nicht neutral, sondern verantwortungslos. » 

Solidarisch mit Rojava 

Dieses Verständnis steht in direktem Widerspruch zu den Richtlinien des Journalist*innenkodex, der sich auf Werte wie Distanz, Objektivität und Unparteilichkeit beruft. Ihre Antwort auf die Utopie einer neutralen Berichterstattung, besteht in einem aktivistischen Haltungsjournalismus, der sich dem Aufdecken von Hintergründen, Zusammenhängen sowie Machtgefällen verschrieben hat. Ein Beispiel dafür, wie Orka Info mediale Berichterstattung mit Aktivismus kombiniert, ist ihre Einbindung in die «Rojava Delegation for Humanity». 

Cyrill und Laura waren Teil einer Gruppe von Journalist*innen und politischen Aktivist*innen, die nach Rojava reisten, um die Situation vor Ort zu dokumentieren. In der bis anhin von Kurd*innen autonom verwalteten Region in Nordostsyrien trafen sie sich mit verschiedenen lokalen Komitees und Kommissionen. Auf Instagram berichteten sie mittels Kurzvideos von ihren Erlebnissen vor Ort und rufen zu Solidarität und Protesten in der Schweiz auf. Während Schweizer Wirtschaftsdelegierte mit der syrischen Übergangsregierung rund um Ahmed al-Scharaa verhandelten, fuhr diese eine systematische Verdrängungs- und Unterdrückungskampagne gegen Minderheiten wie Kurd*innen im eigenen Land. 

Da Schweizer Leitmedien darüber schwiegen, versuchte Orka Info den Diskurs mit aktivistischer Berichterstattung ins Rollen zu bringen. Das rasante Wachstum ihrer Reichweite in den sozialen Medien zeigt, dass sie mit ihrem Verständnis und ihrer Form von Journalismus auf grossen Anklang stossen. Das Bedürfnis nach aktivistisch geprägtem Journalismus, der Handlungsmöglichkeiteneer organisiert gegen Yachten und Segelboote kämpfen, sind nun auch in der Schweizer Medienlandschaft unterwegs. Ein Zusammenschluss von rund zwanzig Aktivist*innen berichtet seit November vergangenen Jahres zu Ereignissen rund um Anti-Imperialismus, Feminismus, Anti- Repression und Polizeigewalt, Austerität sowie Ökologie. Die Mitglieder des Instagram-Kanals Orka Info verstehen sich als revolutionär. Auf dem Weg zu einer solidarischeren und post-kapitalistischen Gesellschaft haben sie die Kreation eines neuen Kommunikationskanals als entscheidend ausgemacht.