Zürcher Studierendenzeitung

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Manische Reise

Eine bedrohliche E-Gitarre wummert sich durch die ersten Takte von Evelinn Troubles neustem Album. Diesem Präludium folgt ihre kompromisslose, hallschwangere Stimme – die wie die Verlautbarung eines Orwell’schen Regimes erklingt. Sie besingt den Geschmack von Blut, einen Kopfschuss mittels Pfeil: Ein fiebriger Traum kündigt sich an. Die 26-jährige Zürcher Szene-Ikone lässt sich nicht gerne in Schubladen stecken oder macht gekonnt mehrere aufs Mal auf. «Gone Strange» erinnert anfänglich an Morcheebas Zwischenspiel mit Daisy Martey. In gewissen Passagen von «Simple Truth» drängt sich der Vergleich mit K.T. Tunstall auf. Das ist aber auch schon das Kommerziellste, was man über das Album «Arrowhead» sagen kann.

Wie der Albtraum eines Roboters schiebt sich denn auch «Moonhowl» zwischen die beiden massentauglichsten Tracks «Simple Truth» und «Touching Air». Auf dass ja nur keine Gemütlichkeit aufkomme. Troubles Rock bleibt ungeschliffen und unbequem. Sie bricht Harmonien, driftet in sphärisches Gitarrengezerre ab, das die Songs wie ein Bergbach umfliesst und das Album zu einer manischen Reise werden lässt.

Das sind keine Zufälligkeiten, denn es ist Troubles Absicht, an die Tradition des Konzeptalbums anzuknüpfen. Pink Floyd lassen grüs-sen. Der Traum, er schwebt über dem Werk wie eine Fata Morgana über der heissen Wüste. «It’s just a dream, It’s just a fever», das Fazit des letzten Songs, entlässt den Hörer schliesslich mit einer sanft-melancholischen Note. Das fühlt sich an wie an einem verdösten Sonntagmorgen, zu welchem man nur die Wellenbewegungen der Vorhänge und den Tanz der Staubpartikel in der Morgensonne im Blick hat. Alles in allem eine verworrene Rêverie, die man in allen Details seinen Freunden schildern

möchte.

Evelinn Trouble – Arrowhead

Baraka Music, 2015

Live im Moods am 30. Oktober

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