Match my Freak
Sexkolumne — Hier berichtet unsere Sexkolumnistin aus fremden Betten über vertraute Geschehnisse.
Alex ist kommentarlos vier Minuten zu spät und 1.90 Meter gross. Auf dem Weg zur Bar läuft er einen halben Meter vor mir und stellt nur knappe Rückfragen. Konsequenterweise lasse ich ihm auch an der Kasse den Vortritt. Wir setzen uns nach draussen und machen Small Talk. Seine Arbeit, mein Studium, sein Marathon, meine Joggingrunde, sein Dating-App-Frust, mein Dating-App-Frust, seine unerfüllten sexuellen Vorlieben.
Mein Kopf schnellt in die Höhe. «Welche Vorlieben?» «Ich stehe auf BDSM…» «Darf ich deinen Lieblingsbuchstaben erraten?» unterbreche ich ihn. Er lacht, überrascht und erleichtert. Ich denke an seine langen Schritte und noch längeren Ausführungen. «Du bist dominant, mit einer Prise Masochismus», sage ich. Er schüttelt enttäuscht den Kopf. «Das erwarten alle von Männern. Aber für mich gibt nichts Heisseres als eine dominante Frau.»
Meine Handflächen kribbeln. Ich finde auch, dass Frauen in Machtpositionen gehören und Männer auf die Knie. Aber beim Sex war ich bisher egalitärer unterwegs. «Ich bin eher ein Sex-Nerd als ein Sex-Freak», gebe ich zu, «ich habe viel gelesen, aber wenig ausprobiert.» Er schaut hoffnungsvoll: «Willst du ein Versuchskaninchen?»
Zweieinhalb Stunden später sind wir bei ihm zuhause. Noch während ich meine Schuhe ausziehe, hat er zwei Gläser mit Eis gefüllt. «Mit oder ohne Zitrone? Still oder Sprudel?» Er lässt mich auch wählen zwischen Sofa oder Bett (ich entscheide mich für das mit weissen Leinen bezogene Bett), einer Reihe von Sextoys (ich will, dass er selbst Hand anlegt) und verschiedenen Anreden (Prinzessin, Hure, gutes Mädchen, böses Mädchen, Schlampe; ich untersage ihm alle, bis auf eine). Ab da läuft alles, wie ich es bei One-Night-Stands gewohnt bin, aber besser.
Ich fühle mich sicher und aufgehoben, während wir rumknutschen; schamlos und gierig, während ich auf ihm rumturne und seinen Körper für meine Befriedigung nutze; wie eine hirnlose Pfütze, während er das Gleiche bei mir tut.
«Das hat Spass gemacht», flüstert er mir ins Ohr, als ich gekommen bin und schnaufend auf seiner Brust liege. «Ja? Auch wenn es Vanilla war?» Er hebt den Kopf: «Das nennst du Vanilla? Was du mit meinem rechten Bein, meinen Füssen und meinem Po gemacht hast?» «Was denn sonst?» Er lacht: «Du Freak!»