KI-Welten mit echten Gefühlen
Filmemacher Damien Hauser schafft mit seinem dritten Spielfilm ohne Drehbuch den Durchbruch. «Memory Of Princess Mumbi» erzählt Geschichten aus einer anderen Welt.
Grosser Applaus erfüllt den Saal des Kinos Frame in Zürich. Das Licht geht an und Damien Hauser tritt aus dem Publikum auf die kleine Bühne vor der Leinwand. Das Publikum steht auf und wird immer lauter. Mit Tränen in den Augen oder vor Freude lachend erheben sich die Leute nach und nach von ihren roten Kinositzen. Damien Hauser lächelt in die Menge. Er scheint berührt zu sein. Der Applaus ist kaum aufzuhalten. Erst als sich der Moderator des Zürcher Filmfestivals räuspert und sich bei Damien bedankt, beruhigt sich die Menge ein wenig. Damien schaut ins Publikum und stellt seinen Film «Memory Of Princess Mumbi» vor. Man merkt ihm an, dass es nicht die erste Bühne ist, die er betritt.
Der Film erscheint in lebendigen Farben und bringt fantasievolle Welten auf die Leinwand. Es geht um den jungen Regisseur und Schauspieler Kuve, der in seinem neuen Projekt die Folgen der Nachkriegszeit in Umata, einem futuristischen Land in Afrika, beleuchten will. In Umata trifft er die schöne Schauspielerin Mumbi, die sich dazu bereit erklärt, in seinem Film mitzuspielen. Im Laufe des Drehs kommen sich die beiden langsam näher. Die Verbindung ist echt und tiefgründig und es entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Doch es gibt einen Haken: Mumbi wurde schon einem Prinzen zur Heirat versprochen. Um ihrem Schicksal zu entkommen, fliehen die beiden aus Umata. Doch so einfach geht das nicht.
Ganz grosses Kino
Der Film zeigt eine herzzerreissende emotionale Bindung zwischen zwei Menschen, wie man mit Erinnerungen umgeht und wie schön ein Leben sein kann. «Eigentlich kann man den Film erst komplett verstehen, wenn er zu Ende ist», sagt Damien Hauser, der 24-jährige Regisseur, lachend. Vom Filmemachen begeistert ist er schon seit er denken kann. «Als ich klein war, habe ich mit meinen Freunden zusammen viele Filme gedreht.» Alles in seinem Leben dreht sich darum: «Ich denke nur ans Filmen oder wie ich das ausdrücken kann, was in mir ist.»
«Memory Of Princess Mumbi» besteht aus drei verschiedenen Ebenen. Die ersten zwei sind klar und schon von Anfang an ersichtlich. In der dritten wird Damien selbst zum Protagonisten und dreht in der Geschichte gemeinsam mit Kuve einen Film, der den Namen «The Savior» trägt. Diese ungewöhnliche Form und Mehrschichtigkeit des Plots wählt Damien jedoch nicht willkürlich. Es versteckt sich ein Konzept aus Improvisation und festem Drehbuch dahinter. In der Entstehungsphase lässt sich Damien normalerweise lange Zeit.
Er hat meistens eine Eingebung, schreibt dann Beobachtungen auf und verfeinert diese in vielen Schritten. Bei diesem Film war es anders: «Ich hatte kein klassisches Drehbuch, sondern nur einen kleinen Text. Ich war ziemlich faul beim Aufschreiben. Deswegen ist der Film auch sehr raw», so Damien. Das Projekt begann im Jahr 2023. Um den Tod seines Bruders zu verarbeiten, fing er an, das zu tun, was ihm am meisten helfen würde: einen Film drehen. Darin konnte er das darstellen, was ihn beschäftigte. Nach nur einem Monat Vorbereitung ging es schon los. Der Drehort war Kenia. «Ich habe Familie in Kenia und dort bereits zwei Filme gedreht, deswegen kannte ich schon viele Leute.» Die Leute, mit denen er seine Spielfilme produziert, sind meist Familienmitglieder und haben mit Filmen oder Schauspielern nichts am Hut. Die einzige Person, die Damien vorher noch nicht kannte, war die Schauspielerin Shandra Apondi, die Mumbi verkörpert.
Er fand sie auf Instagram. Der Schauspieler des Charakters Kuve, Ibrahim Joseph, war schon bei seiner letzten Produktion der Hauptdarsteller. «Während dem Dreh entwickelte sich eine grosse Vertrautheit, sowie auch Freundschaft im Cast», sagt Damien. «Wir sind manchmal zusammen Feiern gegangen und haben sehr viel Zeit miteinander verbracht.» Beim Drehen ging es Damien nicht darum, sein Konzept vom Film durchzubringen, sondern einen möglichst natürlichen Moment auf der Kamera einzufangen. Deswegen liess er die Schauspieler*innen und auch sich selbst improvisieren. Durch das gute zwischenmenschliche Klima gelang das besonders gut. «Teilweise habe ich einfach Konversationen gefilmt. Zwar waren alle in ihren Rollen, doch sie haben sich einfach treiben lassen und auch viel von sich selbst gezeigt», erzählt er. Nach einer kleinen Pause fügt er schmunzelnd hinzu: «Aber ich wusste natürlich immer, was ich mache.»
Die Schauspieler*innen waren oft mehrere Stunden in ihren Rollen und redeten und agierten miteinander. «Wenn man lange Zeit in einer Rolle bleibt, kann man nicht mehr auf klassische Weise schauspielern oder Szenen wiederholen. Alles wird authentischermund es entstehen echte Interaktionen zwischen den Menschen.» Man merke, dass die Person, die man spielt, eigentlich auch mal auf die Toilette müsste, oder man überlege sich, was sie tun würde, wenn ihr langweilig ist, so Damien. Auf diese Weise entstehen die realen Konversationen, die er selbst nicht aufschreiben könne.
Mehrfachrolle für den Regisseur
Viele Gespräche oder Ideen für die Geschichte kamen also auch von den Schauspieler*innen selbst. Damien war manchmal darüber überrascht, was sie erzählten. «Wegen mir mussten wir oft einen Take beenden, weil ich einfach lauthals lachen musste», sagt er. Besonders ist, dass Damien mit künstlicher Intelligenz gearbeitet hat. Er machte von einer alten Hollywood-Filmtechnik, dem so genannten «Matte Painting» Gebrauch. Dort wird der Hintergrund fest ins Bild gezeichnet und nur der Vordergrund bewegt sich. Damien ging ähnlich vor. Jedoch malte er seine Hintergrundbilder nicht, sondern liess sie von KI generieren und schuf dadurch magische Welten. «Wenn man kein Budget hat, dann muss man das meiste selbst machen.»
Damien ist nicht nur Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Schauspieler, er schneidet seine Filme auch selbst. Da «Memory Of Princess Mumbi» im Dokumentationsstil gefilmt wurde, bestehen drei Minuten, die man im Film sieht, aus einer Stunde Rohmaterial. Dementsprechend ging der Prozess des Schneidens sehr lang. Nach drei Monaten hatte er einen ersten Rohschnitt. «Ich habe immer wieder Leute nach Feedback gefragt und dann gemerkt, was noch nicht so funktioniert. Insgesamt dauerte das Schneiden über eineinhalb Jahre. Die Tontechnik war das Einzige, das er nicht selbst in die Hand nahm. Insgesamt war der Film ein voller Erfolg. Damien konnte an den Filmfestivals von Venedig, Vancouver und Zürich seinen Film «Memory Of Princess Mumbi» präsentieren und ist glücklich mit dem, was dabei herausgekommen ist. Der Film begeistert viele. Was Damien beschäftigt und berührt, fühlen die Menschen, die seine Filme schauen, auch. Man sollte sich den Namen Damien Hauser auf jeden Fall merken, er wird uns sicher noch öfter begegnen.