Zürcher Studierendenzeitung

Spielen im Abstrakten

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Aus dem Boden schiessende Stahlstangen winden sich kunstvoll ineinander. Folgt man ihrem Verlauf, gelangt man zu einer Schaukel. Darin sitzt ein Knabe und quietscht vergnügt in höchster Tonlage, als sein Vater ihm einen Schubs gibt und er auf der Schaukel nach oben schnellt. Auf den ersten Blick würde man die Anlage auf der Landiwiese für eine Skulptur halten, ein öffentliches Kunstwerk. Wäre da nicht das Schild mit der Beschreibung «Spielplatz» und die Schaukel. Die einzigen Farbelemente sind die Reflexionen der Wiese und das Blau des Himmels im glänzenden Metall. Ob die Kinder tatsächlich Freude daran haben? Wenn ich an meine eigene Kindheit zurückdenke, dann kommen mir «Gigampfis» in den Sinn, und Piratenschiffe, auf denen man sich lauthals stritt, wer Kapitän*in sein durfte, sowie farbige Plastikrutschen, die einem die Haare zu Berge stehen liessen. Andererseits konnte ich mich stundenlang nur mit Stöcken und Steinen beschäftigen.

Dieser Spielplatz mag in meinen Augen zwar ein wenig lieblos und nicht besonders kindertauglich aussehen, jedoch scheint das die Kleinen nicht zu stören. «Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt», würde Pippi Langstrumpf das famose Kinderlied anstimmen, und sie hat Recht. Mit viel Fantasie ist alles ein Spielplatz. So verwandelt sich auch dieses Stahlgestänge in einen Dschungel, sobald es von abenteuerlustigen Kindern bestiegen wird.