Zürcher Studierendenzeitung

Altruistisch, aber zu kurz gedacht

Kommentar – Macht es Sinn, das Gute nur nach Zahlen zu bestimmen? Und haben E.A.s die besten Mittel gefunden, Gutes zu bewirken? Dagegen, die Welt alleine durch Hilfswerke zu verbessern, wiegt ein Einwand schwer. Er beginnt mit der Feststellung, dass westliche Firmen den globalen Süden nach wie vor massiv ausbeuten. Riesenkonzerne wie Glencore und Nestlé sind Ursachen bedeutenden Elends – möglich macht dies ein weitgehend unregulierter Markt. In diesem Kontext ist die Unterstützung durch Hilfswerke alleine ungenügend. Denn sie lindert oft nur Symptome. Die Ursachen von Armut und Ausbeutung müssen politisch bekämpft werden, zum Beispiel mit strengeren Gesetzen für Auslandsgeschäfte.

Doch leider lässt sich der Effekt politischer Massnahmen nicht so leicht in Menschenleben messen wie der Effekt verteilter Moskitonetze. Wie viele Leben wären durch die Umsetzung der Konzernverantwortungsinitiative gerettet worden? Die Frage ist einfach unsinnig. Das heisst: Die Folgen politischer Massnahmen sind im Rahmen des E.A.-Utilitarismus nicht abwägbar. Auch das objektive, wissenschaftliche Flair, das sich die Community gibt, beisst sich mit einer politischen Positionierung. Strukturelle Ansätze werden somit gar nicht erst in Betracht gezogen. Dies limitiert den Effekt des effektiven Altruismus erheblich.

Was die Zukunftsarbeit betrifft, verdienen effektive Altruist*innen Lob. E.A.s versuchen mit dieser Arbeit, eine Lücke zu füllen: die internationale Kooperation zur Sicherheit neuer Technologien. Ihre Sorgen sind Ausdruck dafür, dass hier noch viel geschehen muss. Es scheint klar, dass kein einzelner Staat die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz kontrollieren kann, geschweige denn Pandemien und Atomkriege. Aber das Zukunftsdenken ist mit Vorsicht zu geniessen. Es ist sehr spekulativ: Kann man die Wahrscheinlichkeit einer Auslöschung der Menschheit berechnen? Und superphilosophisch: Ist eine moralische Verpflichtung gegenüber Nonexistenzen möglich? Auf diese Fragen müssen E.A.s sehr gute Antworten liefern, um nicht nur als spekulierende Technokrat*innen dazustehen.