Feuer und Flamme fürs Studium
Die Schweiz gilt als Vorreiterin im Brandschutzwesen. Doch die neuen Richtlinien ab 2027 bringen einen höheren Bedarf an Fachpersonen mit sich, die über Normen hinausdenken können. Der MAS ETH Fire Engineering zielt darauf ab, hierfür Spezialist*innen auszubilden.
Die Schweiz hat im weltweiten Vergleich die höchsten Sicherheitsstandards im Brandschutz. Die Gebäude der Schweiz unterliegen üblicherweise einem Brandschutzkonzept, das sowohl für bereits bestehende Bauwerke als auch für Neubauten gilt. Vergleichbar sei das Konzept mit einem Kuchenrezept, meint Michael Klippel, Programmleiter des MAS ETH Fire Engineering. Dabei kann man den Brandschutzrichtlinien folgen, ohne selbst zu denken oder in der Analogie des Kuchens: Ohne zu hinterfragen den genauen Mengen an Eiern, Mehl, Salz, Zucker und Butter im Rezept zu folgen. Was passiert aber, wenn ein erfahrener Bäcker merkt, dass derselbe Geschmack auch mit weniger Zucker erreicht werden kann? Oder wenn ein:e Ingenieur*in berechnen kann, wie man ein mehrere tausend Franken teures Treppenhaus als Fluchtweg einsparen kann, ohne dass das Gebäude an Brandsicherheit verliert?
Mit solchen Fragen befassen sich Studierende an der ETH im MAS Fire Safety Engineering. Den Studiengang gibt es seit 2020, doch im Angesicht der kommenden Revision der Schweizer Brandschutzrichtlinien 2027, geprägt von den diesjährigen Katastrophen in Crans-Montana und Kerzers, gewinnt er womöglich an Relevanz. Mit diesem Abschluss auf Masterniveau sollen zukünftige Generationen dazu ausgebildet sein, Brandgefahren einzuschätzen und bei Renovationen, insbesondere auch bei Gebäuden unter Denkmalschutz, zu unterstützen. Beispielsweise müssen Überlegungen angestellt werden, was das beste Schutzkonzept für ein Museum ist, denn die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen deckt zwar den Personenschutz, nicht aber teure Gemälde trotz hohem gesellschaftlichem Wert.
Der MAS ist in fünf Module gegliedert, welche diverse Kompetenzen abdecken. Zum Unterricht gehören neben Theorieeinheiten auch kleinere anwendungsorientierte Übungen, Projekte und Exkursionen. Neben chemischen und physikalischen Grundlagen sind auch Themen wie Brandausbreitung, Gebäudeevakuation und menschliches Verhalten im Ernstfall ein grundlegender Teil des Studienprogrammes. «Wir gehen zur Feuerwehr», erzählt Klippel. «Wir müssen auch verstehen, wenn wir als Brandschutzingenieur*innen etwas rechnen, dann sind die Rettungskräfte natürlich auch ein wichtiges Element in dieser Berechnung. Denn die Einsatzkräfte der Feuerwehr müssen vor Ort in kürzester Zeit entscheiden, was zu tun ist.» Ingenieur*innen müssten verstehen, wie die besten Voraussetzungen geschaffen werden könnten.
Seit der Einführung des Studiengangs vor sechs Jahren nimmt Klippel ein steigendes Interesse am Studiengang wahr. Ein Hindernis für mögliche Bewerbende ist aber die Tatsache, dass diese Weiterbildung auf hohem Niveau während zweier Jahre parallel zum Berufsleben gemeistert werden muss. Voraussetzung für die Teilnahme ist somit nicht nur ein Hochschulabschluss in einem ingenieurs- oder naturwissenschaftlichen Studiengang, sondern auch ein geeignetes privates wie berufliches Umfeld, das die Weiterbildung mitträgt. Dies, obwohl nach der kommenden Revision der Brandschutzvorschriften diese Absolvent*innen gefragt sein werden denn je. Es lässt sich nur darüber spekulieren, wie sich die Grösse des Studiengangs entwickeln wird, ob diese der Nachfrage in der Industrie gerecht werden kann oder unter den strengen akademischen Voraussetzungen leidet.