Sternzeichen: Weiblich und Peinlich

Frauen mögen etwas. Kurz darauf kippt die Stimmung. Was eben noch neutral war, gilt plötzlich als trivial oder peinlich. Nicht wegen dem, was es ist, sondern wegen denen, die es mögen. Ein Kommentar.

4. Mai 2026

Warum wird es peinlich, wenn Frauen sich für etwas begeistern? 

Ob das Musik ist, Pilates, oder Sternzeichen. Sobald wir etwas toll finden, kippt die Wahrnehmung. Besonders aufgefallen ist mir das in der Esoterik. Was für die einen ein Spiel mit Symbolen, Hoffnung und Bedeutung ist, wird für andere zum Anlass für Spott. Wem ist damit geschadet? Es sind oft nicht die Hobbys selbst, die abgewertet werden, sondern die Tatsache, dass Frauen sie mögen. 

Es ist kein Zufall, dass gerade solche spirituellen Praktiken überwiegend von Frauen getragen werden. Selbst historisch wurden weiblich konnotierte Wissensformen oft entwertet – ob in der Kräuterkunde oder bei der Geburtshilfe. Während der Hexenverfolgungen in Europa traf es überproportional häufig gerade jene Frauen, die über medizinisches oder naturkundliches Wissen verfügten. 

Natürlich sollte man vorsichtig sein mit romantischen Vereinfachungen: Nicht jede «Heilerin» war eine protofeministische Figur, und viele Zuschreibungen sind rückblickende Projektionen. Trotzdem: Heute zeigt sich ein ähnliches Muster wie schon vor Jahrhunderten in ab geschwächter Form. Man sieht es zum Beispiel in der Musik: Bands und Musiker*innen mit vielen weiblichen Fans werden belächelt, egal wie gut sie sind. Über die Beatles wurde gelacht und One Direction verniedlicht. Von Taylor Swift fange ich gar nicht erst an. Ich bin auch kein Fan ihrer Musik, aber der Spott für die Begeisterung für sie war abartig. Als wären Begeisterung und Qualität plötzlich Gegensätze, sobald Frauen laut werden. 

Selbst Hobbys, die Zeit und Können erfordern, wie etwa Stricken, werden eher als «niedlich» abgetan, während stereotypisch männliche Hobbys wie Modellflugzeugbasteln automatisch als «anspruchsvoller» gelten. Und wenn Frauen sich für Dinge interessieren, die auch Männer mögen, verschiebt sich die Kritik einfach: Dann mögen sie es angeblich «falsch». Plötzlich geht es nicht mehr darum, dass man etwas mag, sondern wer. Und genau hier schliesst sich der Kreis: Wenn Männer auf Krypto setzen, gilt das als visionär, obwohl es genauso von Hoffnung, Narrativen und Unsicherheit lebt. Wenn Frauen in Sternen lesen, wird es belächelt, obwohl es im Kern um dasselbe geht: Orientierung im Ungewissen. 

Und ja: Astrologie ist keine Wissenschaft. Genauso wie Tarotkarten, Pendeln oder Kristalle und ihre Energien. Aber müssen sie das denn sein? Vielleicht will man manchmal einfach Gemeinschaft und Orientierung in einer unsicheren Welt und einer noch unsichereren Zukunft zu haben. Was weiss die Wissenschaft denn schon über die Zukunft? News Flash: Gar nichts. Früher sagte man voraus, dass das Internet nur ein Hype sei und Bitcoin bloss eine kurze Spekulationsphase. Wir wissen alle, wie das rausgekommen ist. Wir arbeiten bloss mit Wahrscheinlichkeiten und werden dann trotzdem überrascht, wenn Underdogs gewinnen oder scheinbar Unmögliches eintritt. Das Funkelnde, das Mysteriöse, die kleine Hoffnung im Ungewissen eben. Vielleicht sind es also gar nicht die Dinge, über die wir lachen. Sondern die Menschen, die sie mögen.