It Takes Two to Tango
Sexkolumne — Hier berichtet unsere Sexkolumnistin aus Buenos Aires über vertraute Geschehnisse.
Verführt – Ich komme zwei Minuten zu spät zur Tango-Practica und bin damit eine der Ersten. «Sei keine Schweizerin», sage ich mir und quatsche den Mann an, der sich neben mir die Schuhe bindet. Er begrüsst mich mit einem Wangenkuss, ich lehne mich hinein für den zweiten und kollidiere mit seiner Nase. «Sorry, ich komme aus der Schweiz, da geben wir drei», stammle ich. «Und ich dachte schon, du magst mich», grinst er. Als verschüchterte Anfänger platzieren wir uns an einem Tischchen ganz hinten.
Ein geschniegelter Herr bahnt sich den Weg zu uns. Ich biete ihm einen Stuhl an, er bietet meinem neuen Freund einen Tanz an. «Geführt werden ist schon schön», seufzt mein Tischgenosse, als er sich mit leicht geröteten Wangen wieder neben mich setzt. «Zu schade, dass nur Männer mich führen und ich auf Frauen stehe.» Ersteres kann ich noch nicht widerlegen, aber Zweiteres könnte ich mir zu Nutze machen; ich muss ihn nur auf eine andere Tanzfläche führen.
«Vamos a una discoteca?», schlage ich vor. Als ich in meinen Tangoschuhen neben ihm über die Pflastersteine hopple, bereue ich meine Spontanität. In der Schweiz attestieren sie mir heisses Latinoblut; hier wird er wohl merken, dass ich meine Tanz schritte auf Youtube und Familienfeiern gelernt habe. Doch meine Sorgen fliegen förmlich von mir, als er mich das erste Mal im Kreis dreht. Vielleicht liegt es an Lippen, «und wie du die Disko ausgesucht hast, so entschieden und organisiert! Seid ihr Schweizerinnen immer so?» Er beisst sachte in meine Fingerspitze. Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu sagen: «Nur, wenn wir einen hübschen Argentinier verführen wollen.» mir, vielleicht liegt es an ihm, vielleicht liegt es an Gilda: Aber ich habe mich noch nie so eins gefühlt, mit der schwülen Sommerluft, der Cumbia aus den blechernen Lautsprechern, seinen Hüften an meinen, dem ganzen südamerikanischen Kontinent. «Que maravischa!», rufe ich aus, als wir kurz Luft schnappen. «Ich sehe schon, wieso ihr diesen Ruf habt.» «Von wegen! Du bist hier die Verführerin! Mit deinen zwei Begrüssungsküssen und wie du beim Tanzen meine Brust so fest gehalten hast...»
«Macht man das nicht so?» Er lacht: «Bei dir hatte ich den Eindruck, du wolltest mir das Hemd vom Leib reissen.» Ich laufe rot an. «Also mir gefällt’s», sagt er und führt meine Hand an seine Lippen, «und wie du die Disko ausgesucht hast, so entschieden und organisiert! Seid ihr Schweizerinnen immer so?» Er beisst sachte in meine Fingerspitze. Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu sagen: «Nur, wenn wir einen hübschen Argentinier verführen wollen.»