Die ehemalige Toni-Molkerei während der Zwischennutzung, 2004. Foto: Thomas Hussel, Baugeschichtliches Archiv Zürich

Eine Nacht im Toni

Zürich in der Vergangenheit

1. April 2026

Es ist Februar, Schnee liegt noch am Strassenrand. Die letzten Sonnenstrahlen fallen auf die zwischengenutzte Toni-Molkerei. Du schiebst die Türe auf. Dein Blick schweift über die breiten offenen Räume der ehemaligen Milchverarbeitungsfabrik. Massive, taktartig gesetzte Betonträger sind die einzigen vertikalen Anker im Raum. Sie sind mit Stahlstützen, feinen metallischen Zwischenstöcken und verstreuten Betonebenen verflochten. Klaffende Öffnungen in den Stockwerken sind von Geländer umsäumt. Stahltreppen schaffen in dieser aufgerissenen Liegenschaft so gut es geht Verbindungen. Du gehst die Treppen hoch. Im siebten Stock kommst du zum legendären Club «Dachkantine». Rote Plastiksessel, rotes Licht und ein schimmernder Lampenwald an der Decke. Der Abend nimmt seinen Lauf

Morgens, Beine schwer, schiebst du dieselbe Türe wieder auf. Kneifst die Augen zu, um dich vor der Sonne zu schützen, die schon weit am Himmel steht und sich in der östlichen Blechfassade reflektiert. Irgendwann blickst du zurück. Das Toni streckt sich vor deinen Augen von der Rampe bis zum Turm. Die Sonne ist schon weit im Himmel und reflektiert sich in der östlichen Blechfassade.

Laut dem Medienarchiv der ZHdK wurden 1924, dort, wo das Toni-Areal heute steht, im Stadion Förrlibuck die ersten Fussballspiele ausgetragen. Bei der Errichtung des Hardturm-Viadukts etwa 40 Jahre später wurde das Stadion abgebaut. Das Land erwarb dann der Winterthurer Milchverband. 1977 eröffnete die Toni-Molkerei als grösster europäischer Milchverarbeitungsbetrieb seine Türen. 2000, nach schwierigen Jahren für die Milchindustrie, wurde sie stillgelegt und zur Zwischennutzung freigegeben. Clubs wie die «Dachkantine» und die «Tonimolkerei» öffneten, daneben gab es Buchvernissagen, Modeevents, Indoor-Beachvolleyball und eine Freestyleanlage. 2011 begann der Umbau zur Hochschule. Beim Toni-Areal wurde laut des Architekturbüros EM2N «innerer Urbanismus» betrieben, um aus den vielfältigen Nutzungen und der riesigen Fläche des Projekts ein Quartier innerhalb des Gebäudes zu bauen. Treppenanlagen und Hallen bilden ein inneres Stadtgefüge. Gleichzeitig wurde das Areal auch als Stadtbaustein für das post-industrielle Zürich West gedacht. Alles folgt einer einfachen Idee: das Haus als Stadt und die Stadt als Haus.