Angebot und Nachfrage

Hier berichtet unsere Sexkolumnistin aus fremden Betten über vertraute Geschehnisse.

20. Februar 2025

Oral – Ich gebe ganzen Körpereinsatz. Mit anzüglichen Blicken, viel Speichel und einem Rhythmus, den ich im Musikunterricht keinesfalls nachklatschen könnte. Und dann ziehen mich zwei starke Arme nach oben, weiche Lippen küssen mich und flüstern: «So, was kann ich für dich tun?» Ich weiss es ganz genau, weiss es seit mindestens fünf Stunden, als dieser Erdbeermund über meine Witze lachte und gedankenverloren an seinem Strohhalm kaute. Als Antwort würde ich mich am liebsten auf die Seite rollen, zwei Kissen unter den Kopf schieben und meine Beine spreizen. Aber dann denke ich mir: Wenn Erdbeermund das wirklich wollte, wäre er nicht schon längst zwischen meinen Schenkeln? Ich habe mich ja auch langsam, aber unaufgefordert seinen Bauch entlang geküsst und nur einmal «Darf ich?» gefragt , bevor es mir buchstäblich die Sprache verschlug. Doch vielleicht ist Erdbeermund nicht widerwillig, sondern bedacht, dass ich mich sicher fühle und genau das kriege, was ich will. Ich könnte einfach sagen: «Bitte leck mich, bis ich auf deinem Gesicht komme!» und er würde sich pflichtbewusst die schwarzen Haare zusammenbinden und nach unten gleiten. Aber das klingt auch so fordernd, drängend – kann Erdbeermund überhaupt noch Nein sagen, ohne dass es super awkward wird? «Mmh, was würdest du denn gerne mit mir machen?», hauche ich schliesslich und drücke hoffnungsvoll mein Becken an sein Bein. Doch er scheint meine nonverbale Aufforderung nach Oralsex entweder zu ignorieren oder zu missverstehen: «Was immer du wünschst, Hübsche», sagt er. Ich fühle mich wie an dem Abend, als die Eltern einer Freundin mich zum Essen einluden mit den Worten «Bestell, was immer du willst!» und ich musste zwischen Trüffelsoufflé und einem grünen Salat wählen. Oder als ich zum Nachbarsmädchen spielen ging und wir ewig hin und her diskutierten: «Entscheid du, was wir spielen!» «Nein, sag du!» Wie damals gebe ich schliesslich nach und schlage eine Option vor, von der ich weiss, dass sie für die andere Person mindestens akzeptabel ist. Er streichelt mich, ich streichle ihn, er kommt nochmal, ich murmle etwas von überstimuliert und Kuscheln. Er schläft ein, ich starre an die Decke. Einige Wochen später liegt Erdbeermund in einem Hotelbett auf der anderen Seite der Alpen. Schwer atmend beschreibt er mir, wie sehr er mich vermisst. «Ich wünschte, ich könnte dich jetzt lecken, bis du auf meinem Gesicht kommst», stöhnt er. Ich seufze in mein leeres Schlafzimmer: «Ja, ja, genau das wünschte ich auch.»