Kulturelles in Kürze 3/25

Kulturelles in Kürze — Nie wieder Netflix; Soli-Friese; David Pablo, hörst du mir zu?

9. Mai 2025

Nie wieder Netflix

Streamingdienste werden immer teurer und das Angebot wirkt oft vielseitiger, als es tatsächlich ist. Wer sich für eine alternative und diversere Auswahl interessiert, kann sich bei «Kanopy» über den Institutionszugang etwa der Zentralbibliothek Zürich gratis registrieren. Der Film- und Serienkatalog umfasst nebst alten Hollywood-Klassikern und BBC-Sendungen eine Vielzahl an Dokumentarfilmen. Kategorisiert wird unter anderem nach Disziplinen wie Gender oder Media Studies, Geschichte oder Politologie. Dem Anbieter geht es dabei um mehr als Unterhaltung: Das Angebot soll Menschen aus der ganzen Welt erreichen und zur Überwindung kultureller Grenzen beitragen. (gen)

Soli-Frise

An der Badenerstrasse 261, unweit des Locherguts, befindet sich der «Nanai Soli Salon». Von aussen reiht er sich unscheinbar in die fast endlose Reihe Coiffeursalons an der Badenerstrasse ein. Von innen gibt er aber ein ganz anderes Bild. Der Salon wurde 2020 im Rahmen einer Zwischennutzung von einer Gruppe queer-migrantischer Personen aus Chile gegründet. Ihr Projekt versteht sich als Gegenbewegung zu den oft unbezahlbaren Preisen für Haarschnitte in der Stadt. Alle sollen sich hier die Haare schneiden lassen können. Eine neue Frise kostet als Richtpreis 40 Franken, Waschen inklusive. Abends dient der Salon auch als Raum für Podiumsdiskussionen, Musiksets und andere kulturelle Veranstaltungen. (les)

David Pablo, hörst du mir zu?

Das Schicksal von Sinti*zze während des 2. Weltkriegs und die Folgen davon werden in unserem Geschichtsunterricht wenig behandelt. Der Debütroman von Joanna Yulia Kluge befasst sich literarisch damit. Drei Frauen, drei Erzählstränge, ein Schicksal – am Ende des Buches laufen die Leben der drei Hauptfiguren zusammen. So wird der Leser*in klar, wie Traumata und erlebte Diskriminierung die nächste Generation beeinflussen und den Verlauf eines Lebens von Grund auf prägen. Auch das Leben als Frau verwebt Kluge geschickt in die jeweilige Zeit. Die drei Protagonistinnen gehören verschiedenen Generationen an; ihre Voraussetzungen unterscheiden sich enorm. Und doch verbindet sie das Frausein und ihre Herkunft. Zwischen den Kapiteln schiebt Kluge kurze Intervalle ein, in denen der Roman fragt: Was ist Natur? Was ist Kunst? Wie erleben wir die Welt? Dezidiert Antwort gibt Kluge nicht. Doch sie hinterlässt den Lesenden genug, um noch lange darüber nachzudenken.(lea)