Fuckboy oder «Fuuck, Boy»?

Sexkolumne — Hier berichtet unsere Sexkolumnistin aus fremden Betten über vertraute Geschehnisse.

Redaktion (Text) und Mara Schneider (Illustration)
9. Mai 2025

Auf WiedersehenWährend ich diese Zeilen schreibe, warte ich auf die Nachricht eines Mannes, dessen Nachnamen ich nur durch Internet-Stalking kenne. Liebe Leser*innen, ihr könnt die Jury sein: Wird es noch einen Aperol Spritz geben oder wird er für immer im Äther verschwinden? Im Folgenden die Evidenz:

Pro: Wir verstehen uns sofort, weil er genauso chaotisch und übergeschnappt ist wie ich. Er kippt sein Wasser um und wechselt das Gesprächsthema mitten im Satz.

Kontra: Er ist genauso chaotisch und übergeschnappt wie ich. Und ich habe 20 unbeantwortete Chats.

Pro: Als wir auf einer Parkbank sitzen und abwechselnd knutschen und Pizza essen, sagt er: «Ich hatte seit langem nicht mehr so viel Spass auf einem Date.»

Kontra: Und gleich darauf: «Zumindest nicht seit meine Ex-Freundin mich im Januar verlassen hat, weil ich 120 Seiten Masterarbeit in nur zwei Monaten geschrieben habe. Wenn ich ehrlich bin, bin ich immer noch nicht über sie hinweg…»

Pro: Um ein Uhr morgens fahren wir zu ihm nach Hause, Bier in der Linken, Lenkrad in der Rechten. «Ich wünschte, es wäre immer so warm», sage ich. Er starrt mich einfach nur an. «Was ist? Habe ich einen schlimmen Konjunktivfehler gemacht?» «Nein, du siehst einfach so schön aus in diesem Licht.» Ich mache einen Schlenker, um mein Grinsen zu verbergen und nicht vom Fahrrad zu fallen. 

Kontra: Das Gespräch geht weiter: «Ich wünschte, ich könnte sagen, dass das bei mir nicht funktioniert…», sage ich. «Aber es funktioniert?», grinst er. Zu gut, fürchte ich.

Pro: Er steht zu seiner kitschigen Romantik-Vorliebe: Lichterkette über dem Bett, Räucherstäbchen und Cigarettes After Sex in Dauerschlaufe. Auf dem Nachttisch liegt ein Moleskine, das Sofa wird von zwei Gitarren blockiert. 

Kontra: «Die anderen Gitarren sind auf dem Dachboden», erklärt er mir. Er ist nicht nur romantisch, er ist Musiker.

Pro: Als es am nächsten Morgen in Strömen regnet, durchwühlt er sein Zimmer nach einem Regenponcho. «Den kannst du mir zurückgeben, wenn wir uns das nächste Mal sehen», meint er beim Abschied.

Kontra: Übermorgen regnet es wieder und er hat sich immer noch nicht gemeldet…