Zürcher Studierendenzeitung

Einige befragte Studis aus dem Lichthof der Uni und dem ETH-Hauptgebäude.
Einige befragte Studis aus dem Lichthof der Uni und dem ETH-Hauptgebäude.

Was meinen die Männer?

ThemaStudenten an Uni und ETH beantworten Fragen zum Thema Männlichkeit. Ihre spontanen Einfälle zeigen ein vielfältiges Bild.

Was ist für dich männlich?

«Schwierig zu sagen. Es gibt ein traditionelles Bild von Männlichkeit: gross, stark… Aber ich weiss nicht, ob das heutzutage noch zutrifft.»

«Für mich ist der Begriff Männlichkeit ambig. Wenn es um das biologische Wesen geht, dann ist ein Mann ein Mann. Sozial gesehen ist es ungenau.»

«Ein gesellschaftliches Konstrukt, das für viele ein Ziel darstellt; die patriarchalen Erwartungen, dass ein Mann stark sein und keine Emotionen zeigen soll. Das sind sehr toxische Aspekte. Äusserliches fällt vielleicht noch eher in die Kategorie männlich oder weiblich, ohne dass es wirklich toxisch ist.»

«Das ist ein sehr schwieriges Konzept für mich. Männlich sein, heisst für mich einfach eine gute Person zu sein. Männlich sein kann sowohl etwas Gutes als auch etwas Schlechtes sein. Zum Beispiel Arroganz auf der einen und Selbstvertrauen auf der anderen Seite.»

«Als ich klein war, bin ich hauptsächlich mit Jungs in den Wald spielen gegangen. Ich weiss aber nicht, ob das jetzt etwas mit Männlichkeit zu tun hat oder ob ich einfach mehr Freunde als Freundinnen hatte. Und ich habe erlebt, dass Mädchen viel besser im Zeichnen waren als Jungs. Darum hätte ich jetzt gedacht, dass es ein paar Dinge gibt, die Männer mehr tun als Frauen – die biologisch determiniert sind, die einfach männlich sind.»

Wie hat sich dein Männlichkeitsbild verändert?

«Ich weiss nicht, ob ich mir früher wirklich Gedanken zu dieser Frage gemacht habe. Wenn man als kleiner Junge Actionfilme schaut, dann denkt man schon, dass zum Beispiel der Actionheld Thor männlich ist.»

«Ich bin in einem traditionellen Haushalt aufgewachsen. Meine Mutter hat Teilzeit gearbeitet und mein Vater Vollzeit. Meine Mutter war also mehr zu Hause als mein Vater. Je mehr ich mit anderen Leuten in Kontakt gekommen bin, desto normaler ist es für mich geworden, dass es auch eine ausgeglichene Rollenverteilung gibt.»

«Als Kind hatte ich wahrscheinlich das klassische Männlichkeitsbild. Aber jetzt, wo ich zum Beispiel auch viele schwule Freunde habe und sehr viel mit ihnen unternehme, hat sich das auf jeden Fall verändert.»

«Meine Freundin kennt sich in der Genderdebatte aus. Ich hatte viele spannende Diskussionen mit ihr und sie hat mich auch ein wenig eingeführt. Davor war es für mich nie ein grosses Thema, über solche Sachen nachzudenken.»

Wie sollte ein Mann heute sein?

«Ich weiss nicht, ob ein Mann grundsätzlich anders zu sein hat als eine Frau. Es geht eher darum, wie man als Person ist – zum Beispiel ehrlich und dass man anderen nicht schadet. Aber ich finde, dass es nichts mit Geschlecht zu tun hat.»

«Selbstverständlich spielt Männlichkeit eine Rolle, aber man soll sich nicht nur dadurch definieren. Als Person ist man ja viel mehr als nur Mann oder Frau. Man soll auch selbstreflektiert sein. Also sich bewusst sein, was toxische Männlichkeit ist und, dass diese vielleicht auch bei einem selbst Spuren hinterlassen hat. Man soll sich aber auch nicht dafür schämen, dass man männlich ist. Sondern sich dessen bewusst sein, wie man sich präsentiert und wie sich das auf andere und auf einen selbst auswirkt. Und schlussendlich soll man so gut wie möglich einfach sich selbst sein können.»

«In unserem akademischen, jungen Umfeld wird erwartet, dass man Männlichkeit hinterfragt. Ich erfülle in dieser Hinsicht, denke ich, die Anforderungen an moderne Männlichkeit. Als Mann ist man heutzutage herausgefordert, dass man aktiv darüber nachdenken muss und die eigenen Handlungen reflektieren sollte. Das finde ich gut. Aber gleichzeitig gibt es auch weiterhin andere Erwartungen an Männer, die gegenläufig sind: Dass man handwerklich geschickt ist oder im Sport Leistung erbringt. Auch in unserem Umfeld. Ganz viele Männer gehen pumpen, damit sie Muskeln kriegen.»

«Ich glaube, die Erwartungen haben sich verändert. Ich habe Erwartungen an mich selbst und spüre die der Medien, der Gesellschaft und der feministischen Bewegung. Wenn man jetzt etwas zu einer Frau sagt oder versucht, ihr den Hof zu machen, wie man es bisher immer getan hat, muss man zweimal überlegen, was man sagen darf.»

«Ich glaube, dass viele meiner Freunde, und ich vielleicht auch, einen finanziellen Druck verspüren, um auch mal eine Familie tragen zu können. Weil wir Männer sind oder weil es auch so vorgelebt wird.»

«Man muss für seine Familie da sein und auf sie aufpassen. Das Ausmass muss aber neu definiert werden, denn die Gesellschaft hat sich entwickelt und entwickelt sich weiter. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.»

Was hältst du von stereotypischen Männlichkeitsbildern?

«Ich denke, dass sich die Gesellschaft mit dem klassischen Bild eines Mannes schwertut. Deswegen traut man sich heute vielleicht nicht mehr, sich männlich zu fühlen oder sich männlich auszudrücken. Oder zuzugeben, dass man etwas ‹typisch Männliches› macht.»

«Es gibt sicher solche, die man leben kann, aber nicht muss. Zum Beispiel, dass man einen mega durchtrainierten Körper hat. Aber es gibt traditionell männliche Vorstellungen, die heute weniger angebracht sind, wie etwa, dass man mehr Wert sei als eine Frau.»

«Die Stereotypen in alten Filmen, wie etwa die von Bruce Willis, sind zum Teil ein bisschen lächerlich. Die Actionsszenen sind zu übertrieben. Vieles davon ginge heute nicht mehr, aber das ist, glaube ich, den meisten Leuten klar.»

«Stereotypen sind weder okay noch komplett inakzeptabel. Einerseits sind die Bilder da, weil wir unsere komplexe Welt vereinfachen wollen. Andererseits basieren sie auf Werten. Und die darf man nicht einfach übernehmen.»

An Uni und ETH ausgefragt

Wir haben Mitte November verschiedene Studenten interviewt und einige davon fotografiert. Sie waren nicht vorbereitet und antworteten entsprechend spontan. Die Befragung fand beim Standort Zentrum statt. Sie hat keinen Anspruch darauf, repräsentativ zu sein.