Zürcher Studierendenzeitung

Die Promis, wie wir sie uns vorstellen

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Ausstellung — Den Blick leicht nach oben gerichtet, den Mittelfinger expressiv vor das Gesicht haltend, steht sie den Betrachter*innen gegenüber. Prinzessin Diana in einer Inszenierung, in der man sie wohl nie vermutet hätte. Eine Inszenierung, die es genau genommen so auch nie gegeben hat. Die Urheberin dieses trügerischen Werks: die preisgekrönte Fotografin Alison Jackson.

Die 62-jährige Britin ist Meisterin darin, die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verschwimmen zu lassen. Getrieben durch unsere Faszination für das Phänomen des Promikults inszeniert Jackson in aufwendigen Fotografien und Videos Doubles der berühmtesten und berüchtigtsten Ikonen der Welt in intimen und obszönen Momenten. Werke aus über zwei Jahrzehnten ihres Schaffens zeigt das IPFO Haus der Fotografie in Olten nun in der Ausstellung «Fake Truth». Ob Kate und Camilla, vertieft in das Kamasutra, oder Justin Bieber, der vor Polizisten blankzieht, «Fake Truth» porträtiert die Prominenz, wie man sie noch nie gesehen hat.

Auf drei Stockwerken präsentiert sich den Besucher*innen eine Vielzahl von Bildern, die manchmal ganze Wände einnehmen, manchmal Teil einer Serie sind. Oft leicht unscharf oder verwackelt, erzeugen die teils durch Fenster und Gebüsch geschossenen Fotos den Eindruck von Paparazzi-Bildern. Mal sind sie bunt und schrill, die Aufmerksamkeit förmlich an sich reissend, dann wieder in kühlem Schwarz-Weiss gehalten, in komplettem Gegensatz zur Absurdität der Szenerie.

Handgefertigte Porzellanfiguren der Queen beim Toilettengang sowie Videoszenen einer opulenten Promiparty, bei der sogar die Klimaaktivistin Greta Thunberg feuchtfröhlich auf den Tischen tanzt, runden das Konzept auf nicht minder unterhaltsame Weise ab. Es ist eine Ausstellung, die auf nichts verzichtet, um uns die vermeintlich unnahbare Promiwelt näherzubringen.

Die Tatsache, dass alles Fake ist, stört nicht. Eine eigene Wahrheit bildet sich in den Köpfen zu einer Wahrheit, die man als Betrachter*in teils bevorzugt. So bestätigt das Motiv Donald Trump nur zu gut ein Bild, welches wir vom ehemaligen US-Präsidenten schon immer gehabt haben: «Donald Trump ist das Aushängeschild meiner gesamten Arbeit, weil er die Medien versteht und weiss, wie er Menschen durch sie manipuliert», sagt Jackson anlässlich der Vernissage.

Trump ist nicht nur in der Präsidentengalerie anzutreffen – neben einem splitterfasernackten Bill Clinton, der sich von einer Frau den Rücken massieren lässt, während im Fernsehen seine Gattin Hillary Wahlkampf betreibt. Die Künstlerin widmet Trumps Exzessen sogar einen eigenen Raum.

Doch Jacksons Kunst ist weder eine politische noch ideologische Kritik an den Reichen und Berühmten. Vielmehr ist sie ein gelungener Balanceakt zwischen köstlicher Unterhaltung und Kritik an einer Gesellschaft, die danach hungert, über das Leben anderer Bescheid zu wissen – und die Darstellungen der Medien grösstenteils hinnimmt, ja sich insgeheim wünscht, sie entsprächen der Wahrheit. Denn, so sagt Jackson: «Wen wir nicht haben können, ist die Person im Bild – und das lässt uns nach ihr gieren. Das ist der Trick der Fotografie.

«Fake Truth» ist noch bis zum 19. Februar 2023 im Haus der Fotografie in Olten zu sehen.