Zürcher Studierendenzeitung

Töpfern ist zurück!

Das alte Handwerk liegt dank Instagram wieder voll im Trend.

Das jahrtausendealte Handwerk der Töpferei feiert ein Comeback. Von Brad Pitt bis Serena Williams: Immer mehr Promis wagen sich hinter die Drehscheibe und inszenieren sich und ihre Arbeiten auf Social Media. Töpfernde Influencer*innen wie Florian Gadsby oder Helen Levi begeistern mit ihren ästhetischen Videos auf Instagram ihre mittlerweile sechsstellige Followergemeinschaft. Und in der britischen Serie «The Great Pottery Throw Down» stellen Amateur-Töpfer*innen in verschiedenen Disziplinen ihr handwerkliches Geschick unter Beweis – und rühren die Jury damit nicht selten zu Tränen.

Auch hier in Zürich ist der Trend angekommen. Die Architekturstudentin Lara Biesser wurde davon ergriffen und hat vor ein paar Wochen einen Töpferkurs besucht. Und damit ist sie nicht alleine:  «Die Kurse sind schnell ausgebucht und man muss aktiv einen Platz suchen», so Lara. Von dem konzentrierten, ruhigen und doch auch fordernden Arbeiten mit den Händen erhoffte sie sich einen Ausgleich zum hektischen Studi-Alltag.

Steigende Nachfrage nach Kursen 

Heike Toussaint unterrichtet seit über drei Jahren Töpferkurse im Kulturlokal Dynamo. Besonders seit der Pandemie sei die Nachfrage gestiegen. Dafür hat sie zwei Theorien: Einerseits würden Menschen vermehrt einen kreativen Ausgleich zum digitalen Büroalltag suchen. Andererseits sei der Trend auch Instagram zu verdanken: «Runde Objekte auf quadratischen Flächen sehen immer gut aus, sie hypnotisieren und ziehen an.» Die gelernte Architektin töpfert seit über zehn Jahren. «Arbeiten mit Ton war lange etwas eingeschlafen, doch das hat sich definitiv geändert», stellt sie fest. Ganz allgemein vermerke sie einen Trend zu Handgemachtem und nehme diesen äusserst positiv wahr: «Ich wünsche mir, dass sich Leute wieder bewusst werden, dass sie zehn Finger haben und diese für mehr als nur Computerarbeit benutzen können.»

Massgefertigte Arbeiten

Das eigene Hobby zum Geschäft machen – auch das lässt sich in der Töpferei-Community vermehrt beobachten. Die Medizinstudentin Marisa Wanner hat das trotz intensivem Studium geschafft. Über ihr Instagram-Profil «Eigen.form» verkauft sie seit diesem Jahr ihre massgefertigten Arbeiten aus Ton. Marisa hat vor zehn Jahren mit dem Töpfern angefangen. Nach einer längeren Pause hat sie vor Kurzem wieder damit begonnen, um neben dem Studium ihre Kreativität auszuleben und ihren Kopf frei zu bekommen. Mittlerweile hat sie sogar eine eigene Werkstatt. 

«Man darf keinen Stress mitbringen. Man muss sich konzentrieren und kann nicht über andere Sachen nachdenken.» Deshalb begrüsse sie es, dass sich immer mehr Menschen für das Handwerk begeistern: «Ich finde Töpfern im Vergleich zu anderen Trends unproblematisch. Es geht weniger um Konsum.» Ihr ehemaliger Töpfermeister ist nun pensioniert. Daher sei es schön, dass das handwerkliche Wissen durch den Trend weitergegeben werde. Sie selbst verkaufe ihre Kreationen in erster Linie, um die Kosten für ihr Hobby zu decken. «Das Wichtigste für mich ist, dass ich beim Töpfern Spass habe», betont sie.

Wer einen Platz in einem begehrten Einsteigerkurs ergattert, merkt schnell: Das Arbeiten an der Drehscheibe ist wesentlich schwieriger, körperlich anstrengender und teilweise frustrierender, als es die zahlreichen Videos auf Instagram suggerieren. Es braucht Geschick und Frustrationstoleranz. Heike Toussaint gibt allen, die sich an die Töpferei herantasten möchten, das folgende Mantra mit: «Töpfern ist erlernbar, es ist nur eine Frage der Zeit, bis man es kann.» Und sich diese Zeit zu nehmen, scheint sich für viele zu lohnen.