Zürcher Studierendenzeitung

Die Farbe von Velove ist Violett – symbolisch für Feminismus und Gleichstellung.
Die Farbe von Velove ist Violett – symbolisch für Feminismus und Gleichstellung. Selma Hoffmann

Mehr als eine Velowerkstatt

Der Verein Velove im Porträt.

Passiert ist es uns allen schon – man ist mit dem Velo auf dem Weg zur Uni, zu spät dran für die Statistikvorlesung, und plötzlich ist das Vorderrad flach. Darauf folgt Ratlosigkeit und Frustration: Die Velowerkstatt ist zu teuer und das Flickset liegt zuhause im Keller. Dabei könnte es so einfach sein. Denn seit knapp zwei Jahren gibt es direkt bei der Uni Zürich im Zentrum eine Velowerkstatt von Velove. Wie funktioniert das Ganze?

Reparatur mit Flick-Apéro

Ob man nur einen Schlauch reparieren muss oder ein Tandem von Grund auf selbst basteln möchte, Velove ist mit den passenden Werkzeugen ausgerüstet. Das Angebot ist für Studierende gratis, nur die Ersatzteile muss man selbst zahlen. Auch Alumni können profitieren: Für sie kostet die Mitgliedschaft nur 50 Franken im Jahr.

Die Uni Zürich stellt den Raum zur Verfügung, Studierende betreuen die Werkstatt. Diese sogenannten «Active Members» nehmen sich zweimal pro Semester Zeit und helfen den Besucher*innen beim Flicken ihrer Velos. «Gets universities cycling», so steht es auf der Webseite und auch in den Statuten der Organisation. Das Ziel, die Studierenden fürs Fahrradfahren zu begeistern, wird nebst den Werkstätten auch durch verschiedene Anlässe vorangetrieben. Der «Flick-Apéro» beispielsweise lädt zum Austausch, Biertrinken und Veloreparieren ein. «Nicht nur das Mechanische, sondern auch das Soziale ist uns sehr wichtig», beteuert Dennis. Bei Velove finden sich Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft, wodurch neue Freundschaften entstehen können.

Eine Werkstatt für alle

Im Zentrum der Organisation steht das Velo als Fortbewegungsmittel; es bietet eine Alternative zum öffentlichen Verkehr und dem Auto. «Wir identifizieren uns politisch auch stark mit der Klimabewegung», meint Dennis, «und wir sehen das Velo als einen Lösungsteil dieser ganzen Krise.» Trotzdem sei Velove letztendlich kein politischer Verein, sondern für alle Veloliebhaber*innen gedacht. Wichtig ist den Mitwirkenden von Velove dabei, dass die Werkstätten einen sicheren Ort für alle, insbesondere Frauen, nonbinäre und trans Menschen, bieten. Die Farbe vom Ressort der Uni Zürich ist Violett, da dies die symbolische Farbe des Feminismus und der Gleichstellung ist.

Velove bald auch im Ausland

Im letzten Jahr ist Velove stark gewachsen und dem Ziel, die Studierenden zum Fahrradfahren zu bringen, einen grossen Schritt nähergekommen. Um in ihrer zukünftigen Entwicklung noch flexibler zu werden, ist Velove dabei, einen eigenen Verein zu gründen, welcher sie vom Standort am Hönggerberg unabhängig  macht. Auch die Standorte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil und Winterthur bilden eigene Vereine, sodass jeder Standort das Organisatorische individuell regeln kann.

Die ursprünglichen Gründer von Velove bilden unterdessen einen Dachverein, welcher die einzelnen Vereine verbindet. Gerade wird daran gearbeitet, immer mehr Hochschulen in der Schweiz – und vielleicht bald sogar im näheren Ausland – zu vernetzen und auch dort das Velofahren für Studierende zugänglicher zu machen. Velove befindet sich noch in seinem Anfangsstadium. Bald wird jedoch zu sehen sein, wie rege die Werkstatt genutzt wird.