Zürcher Studierendenzeitung

Der AMIV bietet ein tägliches Bier als Ausgleich zum Maschinenbaustudium.
Der AMIV bietet ein tägliches Bier als Ausgleich zum Maschinenbaustudium. Lucie Reisinger

Freibier auf Knopfdruck

Das Gratis-Bier an der ETH ist mehr als ein Gerücht.

Manche Hochschulen haben Vereine, eine Mensa oder einen Fitnessraum. Die ETH hat einen Bierautomaten. Richtig, Bier. Aus einem Automaten. Und zwar gratis. Stolzer Besitzer des Automaten ist der Akademische Maschinen- und Elektro-Ingenieur-Verein (AMIV) der Hochschule. Der Automat soll, wie IT-Verantwortlicher Dominique erzählt, den Studierenden die Möglichkeit geben, nach den Vorlesungen gemeinsam Zeit zu verbringen, und so den Zusammenhalt fördern. Wer nun einen Hightech-Automaten im Kopf hat, wird enttäuscht. Die 2010 angeschaffte und bisher einmal ersetzte Bierquelle sieht vielmehr aus wie ein selten benutzter Automat in der Unterführung eines abgelegenen Bahnhofs.

Alle Maschinenbau- oder Elektro-Ingenieur-Studierenden können sich gratis ein Bier am Tag gönnen, vorausgesetzt, der Semesterbeitrag von zehn Franken für den AMIV wurde bezahlt. Doch diese Vorschrift gilt nicht für alle. Die Devise lautet: Höhere Position gleich mehr Alkohol. So kann man sich als Teil des Vereinsvorstands der Informatik-Studierenden an der ETH (VIS) fünf Bier am Tag rauslassen. Für den AMIV-Vorstand seien es sogar bis zu zehn. Statt «Kein Bier vor vier» gilt jeden Tag «S hett solang s hett». Nur selten wird an einem Tag nochmals aufgefüllt. Auch wenn nicht alle Studierenden ein Bier am Tag rauslassen, schlägt das Getrinke ganz schön zu Buche: Pro Jahr gibt der AMIV 32'000 Franken für Kaffee und Bier aus. Obwohl der Verein AMIV auch eigenes Bier braut, darf er damit nicht den Automaten befüllen, da es dafür zertifiziert sein müsste, worin er keinen Mehrwert sieht. Deshalb liefert die Brauerei Falken. Falls man nicht bierberechtigt ist, zahlt man 1,20 Franken. Zur Auswahl stehen ein Lager oder Pale Ale. Drückt man auf den sogenannten Mystery-Knopf, kann der Automat zusätzlich noch zwei weitere Sorten ausspucken: Hülse Lemon und Hülse Ice.

Prosecco für die ZHdK

Die Wirkung des Automaten auf die Studierenden ist unterschiedlich: Die Bandbreite reicht von «Ich finds geil» bis zu «Ich han no nie eis uselah». Um an den Alkohol ranzukommen, müssen viele einen Umweg gehen, da sich der Automat in einem Nebengebäude befindet. «Der Aufwand ist es mir nicht wert. Ich kaufe lieber Bier. Besser ist es auch», meint ein befragter Studi. Auf der anderen Seite des Spektrums hat sich der Sammler-Typus etabliert: Möglichst jeden Tag ein Bier rauslassen, zu Hause horten und sich nach den Prüfungen mit der Kollektion die Kante geben. All dies ganz entgegen dem, was der Verein eigentlich bezwecken will. Ist der Bierautomat der ETH aber eine Rarität? Keineswegs.

Sein Verwandter steht in den Ateliers des Interaction-Design-Departements an der ZHdK. Er spendet Bier, Mate und Prosecco für alle Design-Studierenden beziehungsweise alle, die einen Zugang zum Atelier haben. Stilgerecht heissen diese «schönes Bier», «teures Bier» und «billiges Bier». Doch artsy hat bekanntlich seinen Preis: Ein Getränk kostet zwei Franken und gratis gibt es für niemanden was. Die Perkussions-Klasse der ZHdK hat hingegen einen eigenen Zapfhahn. Zweimal im Jahr werden circa sechs Fässer geliefert. Die Lehrpersonen zahlen den Spass. Es gilt: «massvoll und nicht en masse».

An der ETH weiss man übrigens Bescheid über den Automaten. Man sei «überzeugt von einem verantwortungsbewussten Umgang» ihrer Studierenden. So scheint sie den kostenlosen Alkoholkonsum ad acta zu legen.