Zürcher Studierendenzeitung

Kommentar: Opulenz für Exzellenz

Stipendienwesen – «Sie wollen etwas Hervorragendes leisten und mit Ihrem Wissen dazu beitragen, gesellschaftlich relevante Probleme zu lösen?» So wurden kürzlich die Studierenden der Uni Zürich für eine Bewerbung für die neuen sogenannten Exzellenzstipendien motiviert. Die Uni vergibt an besonders gute Studis ab dem Herbstsemester 20 Mal bis zu 40'000 Franken für ein Masterstudium. Exzellenzstipendien richten sich per Definition nicht an besonders bedürftige, sondern an besonders leistungsstarke Studierende, unabhängig von ihrer finanziellen Situation. Das ist ein Affront gegen alle Studis, die seit dem ersten Semester arbeiten müssen, um ihre Ausbildung zu finanzieren.

Ein eindrücklicher Beitrag vom «Kassensturz» deckte im November letzten Jahres die gravierenden Mängel des Schweizer Stipendienwesens auf. Die porträtierte Studentin erhält vom Kanton Schaffhausen 400 Franken im Monat und arbeitet sich in einer Bar in Zürich kaputt, um über die Runden zu kommen. Sie hat insgesamt drei Jobs neben dem Vollzeitstudium, denn ihre Eltern können sie kaum unterstützen. Ihr fehlt die Zeit zum Lernen, Studieren und Denken. In einer solchen Situation reichen die Noten wohl nicht für ein Exzellenzstipendium. Und ausserdem erhalten anteilsmässig gemäss Bundesamt für Statistik immer weniger Personen ein Stipendium – 2020 waren es nur noch sieben Prozent der Menschen in Ausbildung. Denn der Geldtopf ist im Verhältnis zur Studierendenzahl kaum angewachsen.

Mit dem Slogan «Geniale Köpfe sollten nicht durch Jobben vom Studium abgelenkt werden» machte die ETH in einer aufwendigen Werbekampagne auf die eigenen Leistungsstipendien aufmerksam. Auf den Plakaten war Albert Einstein als Service-Aushilfe, Pizza- und Velokurier zu sehen. Die ETH Foundation vergibt schon seit 2007 solche Exzellenzstipendien. Und wieder mal eifert die Uni der ETH in Sachen Eliteförderung nach und kopiert alles, was sich nach Prestige anhört. Für eine staatliche Universität ist es nicht vertretbar, Studierende ohne Geldprobleme durch Exzellenzstipendien zu finanzieren, während andere, die es brauchen, um ein Stipendium bangen müssen.