Zürcher Studierendenzeitung

Abseits des Mainstreams

Aus der ForschungWie alternative Formate die Medienlandschaft verändern. Eine Soziologin ordnet ein.

Seit 2020 wird pausenlos über Covid berichtet. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander, und das nicht nur in den Kommentarspalten von 20 Minuten und Blick. Vor allem alternative Medienformate weichen vom gesellschaftlichen Konsens ab und erfreuen sich teils grosser Anhängerschaft. Welche Alternativmedien im deutschsprachigen Raum existieren und wie sie sich vom klassischen Journalismus abheben, dazu forscht die promovierte Soziologin Lisa Schwaiger aus Österreich.

Keine einheitliche Definition

Alternativmedien breiten sich seit geraumer Zeit vor allem online aus. Auf Social-Media-Plattformen werden Inhalte den Konsumierenden basierend auf Algorithmen sowie persönlichen Daten und Vorlieben angezeigt. Dies führt dazu, dass sich die Nutzenden oftmals in sogenannten Echokammern bewegen, in denen der Diskurs hauptsächlich unter Gleichgesinnten stattfindet. Die eigenen Ansichten werden dort bestätigt und durch Reposts werden Inhalte wiederum so vervielfältigt, dass möglichst viele potentiell interessierte Menschen erreicht werden. Was vor dem digitalen Zeitalter höchstens dorfübergreifend funktionierte, geschieht plötzlich auch international.

Schwaiger zeigt auch auf, wie Krisenzeiten die Attraktivität von klar abgegrenzten Gruppierungen verstärken. So erfüllen alternative Medien und Plattformen als Gegensatz zum Mainstream eine Funktion für all jene, die sich sonst nicht der grossen Masse zugehörig fühlen. Gemeinsamer Nenner ist Unzufriedenheit. So geben sich gewisse Alternativmedien unter anderem als Verkünder der Wahrheit aus und bezeichnen klassische Medien als «Lügenpresse». Sie picken Berichte aus beispielsweise Boulevard-Magazinen heraus und legen sich diese nach ihrem Geschmack zurecht.

Obwohl man ‹Alternativmedien› oft mit Verschwörungstheorien assoziiert oder sie dem rechtspopulistischen Spektrum zuordnet, sind sie nicht alle gleich. Schwaiger hält fest: «Es ist wichtig, dass man unterscheidet, von welchen Alternativmedien wir sprechen.» Die Soziologin untersucht eine grosse Bandbreite und definiert unterschiedliche Typen. Sie nennt unter anderem das Online-Medium «Republik», das sich für mehr Recherchearbeit und weniger Ressourcenabbau im Journalismus stark macht. In Abgrenzung zu den grossen Medienhäusern sieht sich dieses ebenfalls als alternatives Format.

Vertrauen bleibt stabil

Das Wort Alternativmedium ist spätestens seit der Pandemie negativ konnotiert. Dabei ist es gut für eine Demokratie, wenn alternative Medienformen existieren und alle mitreden können. Es braucht eine vierte Gewalt, die sich kritisch äussern kann. Aber Schwaiger warnt: «Alternativmedien sind dann problematisch, wenn journalistische Qualitätsstandards nicht mehr eingehalten werden.» Jede*r kann einen Social-Media-Post gespickt mit Falschinformationen erstellen. Publikationsbarrieren sind kaum vorhanden und Quellenangaben selten gefragt. Geht der Post viral, erreicht er etliche Nutzer*innen. Doch Schwaiger ist überzeugt, dass klassische Medien immer noch die Hauptinformationsquelle sind. «In der Schweiz ist das Medienvertrauen relativ hoch.»