Bei den Lachyoga-Treffen wird das Lachen solange durch einfache Körperübungen simuliert bis es in wahrhaftiges Lachen umschlägt. Nicolas Zonvi

Lach dich gesund

Gemeinsames Lachen wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, verspricht die weltweite Lachyoga-Bewegung. Auch in Zürich trifft sich zweimal im Monat ein sogenannter Lachclub.

17. Januar 2019

Ungefähr so stelle ich mir ein Swinger-Treffen vor: Abends nach dem Eindunkeln begebe ich mich in den Hinterhof einer Genossenschaftssiedlung und finde nach einigem Suchen den Eingang zum riesigen Gemeinschaftsraum. Ich werde herzlich begrüsst und den Anwesenden vorgestellt. Die Personen, die nach mir eintreffen, schütteln mir ebenso freundlich die Hand. Ich bin mit Abstand der Jüngste der Gruppe. Untereinander kennen sich die Teilnehmenden anscheinend schon länger und pflegen einen freundschaftlichen, aber leicht distanzierten Umgangston. Man gibt sich ungezwungen. Zu siebt stehen wir dann nach der anfänglichen Plauderei in einem lockeren Kreis und Sandra, Mitbegründerin und Leiterin von «Leben in Bewegung - Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung», fragt in die Runde: «Also, beginnen wir?».

Simuliertes Lachen

Bei diesem Treffen steht das gemeinsame, grundlose Lachen im Mittelpunkt. Lachyoga (auch Hasya-Yoga genannt) wurde 1995 vom indischen Arzt Dr. Madan Kataria gegründet und fand schnell zu einer weltweiten Anhängerschaft. Heute gehören der Lachbewegung zirka 10'000 Lachclubs in über hundert Ländern an. Ziel ist es, die Teilnehmenden durch das Praktikzieren spezieller Atem- und Körperübungen zum Lachen zu bringen. Dabei ist künstliches Lachen explizit erwünscht. Die Devise: Aus künstlichem Lachen wird im Verlauf der Lektion irgendwann echtes Lachen. Die positiven Wirkungen auf Seele und Körper von regelmässigem und ausgiebigem Lachen sind der Lachforschung (Gelotologie) schon lange bekannt. Die durch Lachen ausgeschütteten Glückshormone fördern unter anderem, dass man glücklicher, entspannter und befreiter durchs Leben geht. Sandra erzählt mir gar, sie brauche vor einem zahnmedizinischen Termin lediglich zehn Minuten zu lachen, um auf die Betäubungsspritze verzichten zu können. Trotzdem kann ich die Versprechungen vor dem Treffen noch nicht ganz so ernst nehmen. Spätestens als ich erfahre, dass es eine Lachyoga-Universität in Indien gibt, werde ich den Vergleich mit einer Clown-Schule irgendwie nicht mehr los.

Raketen, die Gelächter abwerfen

Wie lustig ist also ein solches Treffen eines Lachclubs wirklich? Gespannt stehe ich im Kreis der Teilnehmenden. Bei der Begrüssung hatten mir einige der Teilnehmenden erzählt, wie unangenehm ihre ersten Lachyoga-Lektionen für sie gewesen seien. Nun weiss ich, was sie meinen. Im Verlauf der Lektion cremen wir uns unter anderem mit imaginärer Lachcreme ein, erzählen uns der Reihe nach Witze in Kauderwelsch und mimen Raketen, die beim Start einen riesigen Lachanfall abwerfen. Mehr als einmal frage ich mich, weshalb die Vorhänge nicht zugezogen sind. Schnell kriege ich Bauchschmerzen von dem vielen künstlichen Lachen. Nach einer Weile kann ich allerdings nicht mehr sagen, ob mein Lachen nun simuliert oder doch echt ist und am Ende der Lektion überkommt mich zu meinem Erstaunen tatsächlich ein waschechter und herzhafter Lachanfall.

Kurze Zeit später trete ich wieder in die kalte Winternacht hinaus. Auf dem Nachhauseweg starren mich die Menschen unter ihren Kapuzen und Mützen hervor an. Es dauert eine Weile bis mir auffällt, dass ich immer noch grinse.